Anleitung Chili-Anzucht mit Tageslicht

Anleitung Chili-Anzucht mit Tageslicht

Die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Anzucht nur mit Tageslicht ist, dass man ein Fenster mit viel Lichteinfall zur Verfügung hat. Ein Fenster in schattiger Lage oder mit Nordausrichtung ist also ziemlich ungeeignet. Mit der Aussaat sollte man bis Februar warten. Vorher ist in Deutschland oft das Licht noch zu schwach.

Kurze Übersicht über den Anbau:
  • Einweichen der Samen (nicht zwingend nötig)
  • Aussaat in kleine Becher oder Töpfe mit Anzucht- oder Blumenerde
  • In ein Minigewächshaus stellen bei 25 bis 28°C (Heizmatte und Thermostatsteckdose sind praktisch)
  • Keimlinge zeitnah aus dem Minigewächshaus nehmen und ans Licht stellen
  • Wenn die Becher durchgewurzelt sind umsetzen in Töpfe 7×7 oder 9×9 o.ä.
  • Wenn die Töpfe durchgewurzelt sind umsetzen in Töpfe 13×13 o.ä.
  • Anfang Frühjahr an Sonnenlicht gewöhnen
  • Umsetzen in den Endtopf (für viele Sorten ab ca. 10 Liter)
  • Nach den Eisheiligen raus auf den Balkon, Terasse, Garten oder ins Gewächshaus stellen

Aussaat und Keimung

Prinzipiell ist ein vorheriges Einweichen der Chilisamen nicht unbedingt nötig aber zu empfehlen. Es erleichtert die Keimung wenn das Saatgut z.B. schon älter ist oder nicht optimal gelagert wurde.

Zum Einweichen wird ein Becher oder ein Glas für jede Sorte benötigt. Es sollte beschriftet werden, damit man später die Sorten noch zuordnen kann. Zum Einweichen eignen sich Wasser und Salpeterlösung (1 bis 2%). Mit destilliertem Wasser oder weichem Leitungswasser lassen sich bessere Ergebnisse erzielen als mit hartem Leitungswasser. Manche schwören auf Kamillentee, aber Tees können sich schon nach wenigen Stunden zu einer Brutstätte für Keime entwickeln.

Die Chilisamen werden 24h eingeweicht. Anfangs sind die Samen trocken und schwimmen deshalb oben. Im Laufe der 24h sollten sie nach unten sinken und können dann in die Erde (oder Tabs) eingesät werden. Schwimmen ein paar Samenkörner nach 24h immer noch oben, sollte man sie kurz antippen. Meistens gehen sie unter, denn sie wurden nur von der Oberflächenspannung der Einweichlösung oben gehalten.

Die Samenkörner sollten bei der Aussaat zwischen 0,5 bis 1cm tief in die Erde gesteckt werden. Die Erde wird danach leicht angedrückt und gut befeuchtet. Sind die Chilisamen nicht tief genug in der Erde, vergrößert sich die Gefahr eines „Helmträgers“, d.h. dass die Samenhülle auf den Keimblättern bleibt.

Nach der Aussaat muss die Erde bis zur Keimung feucht und warm (25 bis 28°C) gehalten werden und darf auf keinen Fall austrocknen.

Eine gelegentliche, leichte nächtliche Temperaturabsenkung schadet nicht. Bei Keimproblemen kann man eine Temperaturabsenkung versuchen, wie es auch nachts in der Natur der Fall ist, um das Keimen auszulösen.

Kommt ein Keimling aus der Erde, muss er möglichst schnell ans Licht (möglichst helles Fenster) gestellt werden. Die Keimlinge sollten ab dann nur noch möglichst bei Zimmertemperatur gehalten werden (leicht darüber oder darunter geht auch) und brauchen viel Licht. So vermeidet man ein „Spargeln“ oder „Vergeilen“ des Keimlings.

Zur Unterstützung kann man eine gut reflektierende Fläche hinter den Pflanzen anbringen, die das einfallende Tageslicht zusätzlich noch einmal von hinten auf die Pflanzen reflektiert. So kann man das einfallende Licht im Februar besser nutzen.

Pikieren und Wachstumsphase
Wenn die Keimlinge das zweite echte Blattpaar bilden, sollten sie einzeln in kleine Töpfe gesetzt werden. Stehen mehrere Keimlinge zusammen in einem kleinen Gefäß, kann es auch sinnvoll sein, sie schon etwas früher zu vereinzeln. Beim Pikieren setzt man die Keimlinge üblicherweise etwas tiefer in die Erde ein. Die kleinen Chilipflanzen brauchen weiterhin viel Licht. Die Erde sollte etwas trockener aber nicht zu trocken gehalten werden und einen leicht sauren pH-Wert von pH 5,6 bis 6,5 haben. Reiner Torf scheidet deshalb aus, da er zu sauer im pH-Wert ist. Torfhaltige Blumen- oder Pflanzerden sind aufgekalkt und können deshalb verwendet werden wenn der pH-Wert stimmt.

Das Gießen ist für viele Anbauneulinge anfangs meistens leichter wenn die Töpfe nicht so groß sind. Daher eignen sich für das Pikieren z.B. Vierecktöpfe mit maximal 9cm x 9cm oder kleiner z.B. 7cm x 7cm oder vergleichbare runde Töpfe.

Wird eine leicht vorgedüngte Erde verwendet, braucht in den ersten 3 bis 4 Wochen noch nicht gedüngt zu werden. Danach beginnt man am besten mit einer Viertel- oder halben Dosis des Düngers (siehe dazu die Herstellerempfehlung) und steigert die Dosis langsam. Geeignet sind dazu prinzipiell alle organischen N-P-K-Flüssigdünger für Tomaten (wie z.B. Bio Trissol Tomate von Neudorff), aber auch mineralische Nährsalze wie z.B. Hakaphos Grün von Compo. Bei Hakaphos sollte man erst einmal nicht mehr als 0,5g pro Liter Wasser geben.

Im Laufe der Zeit wächst die Pflanze und durchwurzelt die Erde. Daher sollte man nach mehreren Wochen kontrollieren wie das Wurzelwachstum ist und die Chilipflanze mit dem Wurzelballen aus der Erde nehmen. Das Herausnehmen des Wurzelballens aus dem Topf geht recht einfach:

Den Topf rundherum etwas eindrücken, die Hand flach auf die Erde legen und den Stiel zwischen die Finger nehmen, den Topf mitsamt der Pflanze auf den Kopf stellen und den Topf abziehen. Gleitet der Topf nicht leicht herunter, sollte man ihn rundherum nochmal etwas eindrücken und es nochmals versuchen. Von Versuchen, die Pflanze am Stiel zu ziehen sollte man absehen, da kleine Pflanzen recht leicht beschädigt werden wenn man zu fest zieht.

Ist die Erde gut durchgewurzelt, sollte der Wurzelballen am Rand etwas aufgelockert und die Pflanze in einen größeren Topf gesetzt werden. Auch hierbei kann man die Pflanze wieder etwas tiefer setzen. Wir nennen diesen Topf einfach „Zwischentopf“. Bewährt haben sich z.B. Vierecktöpfe mit 13cm x 13cm oder Rundtöpfe mit etwa 1,5 bis 3 Liter.

Vom Zwischentopf zum Endtopf
Wenn die Pflanzen in den Zwischentopf umgetopft sind, stehen die folgenden Fragen und Aufgaben an:

  • regelmäßig düngen
  • Königsblüte(n) dran lassen oder nicht?
  • die Pflanzen abhärten sobald möglich
  • Schädlinge fernhalten und ggf. bekämpfen
  • ggf. nochmal in größeren Zwischentopf umtopfen
  • in den Endtopf umtopfen

Düngen:
In den ersten 2 bis 3 Wochen nach dem Umtopfen in den Zwischentopf braucht man entweder gar nicht oder nur mit deutlich reduzierter Düngergabe zu düngen, denn die neue Erde bringt Nährstoffe mit. Man sollte mit einer Viertel- bis halben Düngerdosis beginnen und die Düngergabe in mehreren Stufen (jede Woche etwas mehr) bis zur Herstellerangabe steigern. Hinweise dazu gibt es auf der Düngerverpackung oder der Packungsbeilage oder kann im Forum erfragt werden.

Beim Steigern der Düngergabe sollte man immer im Auge behalten wie die Chilipflanzen darauf reagieren. Gedeihen sie gut, kann man so weiter düngen oder langsam weiter steigern. Sollten sich Überdüngungsanzeichen zeigen wie stark aufgepumpt wirkende Blätter oder sich einrollende Blätter (wenn Schädlinge ausgeschlossen sind), setzt man erst einmal mit dem Düngen aus und beginnt erst wieder zu düngen wenn eine Besserung bei neu gebildeten Blättern eingetreten ist.

Auf Depot- oder Langzeitdünger verzichtet man besser noch bis die Pflanzen in den Endtopf umgetopft werden. Im Endtopf kann man auch zur Erde etwas Kompost untermischen.

Königsblüte dran lassen oder nicht?
Hier gehen die Meinungen etwas auseinander, aber bei großfruchtigen Annuum-Sorten sollte man bei einer noch kleinen Pflanze eine frühe Fruchtbildung vermeiden, damit das Wachstum der Pflanze nicht stagniert, da die Energie in die Bildung einer größeren Frucht geht. Bei vielen Sorten ist das jedoch kaum relevant, da die Früchte recht klein sind.

Planzen abhärten:
Wärmere Tage im März, April und Anfang Mai können bereits genutzt werden, um Jungpflanzen langsam an das Sonnenlicht zu gewöhnen. Die Chili- und Paprikapflanzen haben drinnen keine Möglichkeit einen Schutz gegen die UV-Strahlung des Sonnenlichts aufzubauen. Das Fensterglas lässt nur einen kleinen Teil der UV-Strahlung durch. Daher ist eine Eingewöhnung notwendig bevor die Pflanzen dauerhaft ins Freie kommen, um späteren Sonnenbrand an den Blättern zu vermeiden. Sonnenbrand hinterlässt irreparable Schäden an den Blättern. Bei Sonnenbrand bekommen die vorher grünen Blätter mehr oder weniger stark ausgeprägte hellbraune Verfärbungen.

Besser als eine Eingewöhnung in der direkten Sonne ist eine Eingewöhnung im Schatten oder Halbschatten oder an warmen aber bewölkten Tagen. An Sonnentagen gibt es auch im Schatten noch genügend UV-Strahlung, die man zur Eingewöhnung nutzen kann. In direkter Sonne sollten die Pflanzen zuerst nur etwa höchstens ein halbe Stunde stehen. Der Vorteil einer Gewöhnung im Schatten oder an bewölkten Tagen ist, dass man gleich zu Anfang die Pflanzen ein paar Stunden heraus ins Freie stellen kann.

Die Eingewöhnung funktioniert auch an einem Sonnenstandort, an dem man mit einem Schattiernetz oder einem Gartenvlies einen Teil des Sonnenlichts abschattet.

Die Zeit, in der die Pflanzen draußen stehen, steigert man langsam weiter. Man sollte die Pflanzen während der Eingewöhnungsphase regelmäßig beobachten und bei Anzeichen für einen Sonnenbrand immer direkt aus der Sonne nehmen.

Bei der Eingewöhnung kommt es vor, dass die Pflanzen nach einer Zeit in der Sonne die Blätter herunter hängen lassen. Allerdings heißt das nicht, dass man nun die Pflanzen unbedingt gießen sollte. Gießen sollte man sie nur wenn wirklich die Erde innen drin trockener geworden ist. Wenn die Blätter richtig schlaff werden, sollte man die Jungpflanzen wieder schattiger stellen. Sollten die Blätter nur leicht herunter hängen, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Man sollte immer daran denken, dass die Pflanzen sich draußen an die Sonne gewöhnen müssen, um draußen die Saison überstehen zu können.

Bei Jungpflanzen stimmt oft das Verhältnis von Blattmasse zur Wurzelmasse noch nicht. Auch wenn genügend Feuchtigkeit in der Erde gespeichert ist, kann die Pflanze nicht so viel Wasser durch die Wurzeln nachfördern wie sie oben über die Blätter verdunstet. Dadurch werden die Blätter schlaffer und hängen herunter. Die Pflanzen erholen sich normal wieder von selbst davon nach dem Sonnenbad. Im Laufe der Eingewöhnung bildet die Pflanze weitere Wurzeln aus, weshalb das Problem dann nicht mehr auftreten sollte.

Schädlinge:
Wichtig ist es, die Pflanzen regelmäßig auf Schädlinge zu kontrollieren und evtl. auftretende Schädlinge gleich zu bekämpfen. Mehr zum Thema Pflanzenschutz ist hier zu finden: https://chili-pepper.de/index.php?resources/pflanzenschutzmittel-für-chili-und-paprika.4/

Umtopfen wenn der Topf durchgewurzelt ist:
Wenn der Zwischentopf durchgewurzelt ist, wird wieder umgetopft. Wenn man weniger Platz hat oder die Pflanzen vielleicht noch eine Zeit lang auf der Fensterbank unterbringen muss, sollte man in einen etwas größeren Zwischentopf umtopfen und erst kurz bevor die Pflanzen endügltig raus ins Freie kommen in den Endtopf. Dauerhaft raus ins Freie können die Pflanzen erst frühestens nach den Eisheiligen im Mai.

Vorgeschlagene Größen für Endtöpfe:
Den meisten Sorten sollte man Endtöpfe mit mindestens 10 Litern spendieren (größer ist oft besser), ausgenommen kleinwachsende Ziersorten oder Rocotos (Capsicum Pubescens). Viele Ziersorten gedeihen auch in kleinen Töpfen mit rund 5 Litern gut. Bei Rocotos sollte man generell größere Töpfe ab etwa 30 Liter nehmen.
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mph
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Die Tageslicht-Anzucht im Überblick.
Sehr schön