Was brauchen Chilipflanzen zum Wachsen?

Auch bei uns in Deutschland können feurige Chilis angebaut werden. Hier erfahrt ihr, was für das Wachstum von Chilipflanzen wichtig ist.
d1b82007b29149188cdc8429ccc23fcd


Warmer Standort
Um die Ansprüche von Chilipflanzen an den Standort zu verstehen, muss man sich den Ursprung der Pflanzengattung Capsicum anschauen. Capsicum stammt aus Süd- und Mittelamerika, aus tropischen und teilweise subtropischen Regionen mit warmem und sonnenreichem Klima. Ein heller, sonniger und luftiger Standort ist daher für Chilipflanzen perfekt. Das kann ein Standort an einer Hauswand oder auf dem Balkon oder einer Terrasse sein, im Gewächshaus, im Hochbeet oder im Freiland. Im Freiland dauert es in Deutschland oft zu lange, bis jahreszeitlich bedingt der Boden durchgehend warm genug ist. Im Herbst ist in Deutschland der Boden im Freiland auch eher zu kühl. Im Freiland bietet es sich daher an, die Pflanzen in Pflanzkübeln hinzustellen. Pflanzt man direkt in ein Freilandbeet, lässt sich durch Abdecken des Bodens mit dunkler Folie die Sonnenwärme einfangen und im Boden halten. Viele Chilisorten wachsen am besten in einem Gewächshaus.

Standort für Rocotos
Die meisten Rocotosorten brauchen eine nächtliche Temperaturabsenkung, damit sie überhaupt Früchte ansetzen. Daher sollten sie - wenn der Platz es zulässt - nicht direkt an einer Hauswand stehen. Hauswände speichern im Sommer die Sonnenwärme und geben sie nachts wieder ab. Dadurch kann an einem solchen Standort die Temperaturabsenkung in der Nacht zu gering ausfallen. Wenn Rocotos in der Nähe einer Wand oder in einer Ecke keine Früchte ansetzen möchten, kann man es mit wegrücken von der Wand versuchen, damit die Pflanzen mehr Wind und Wetter abbekommen. Eine weitere Möglichkeit ist, die Rocotos abends zu gießen und die Blätter mit Wasser einzusprühen. Mit dem kühlen Gießwasser und der Wasserverdunstung auf den Blättern sorgt man für eine Temperaturabsenkung. Es gibt auch Rocotosorten, die gut mit einer fehlenden nächtlichen Temperaturabsenkung klar kommen, wie z.B. die Rocoto Cabe Gondol.

Chilikeimlinge nicht zu warm halten
Auch wenn Chilipflanzen grundsätzlich einen warmen Standort bevorzugen, sollten Chilikeimlinge kurz nach der Keimung nicht zu warm stehen. Denn je wärmer es ist, desto mehr Licht brauchen Chilikeimlinge, damit sie nicht vergeilen. Daher sollten sie nach der Keimung möglichst viel Licht bekommen und nicht mehr im beheizten Minigewächshaus stehen, sondern ohne Deckel bei normaler Zimmertemperatur.

Nährstoffreiche, durchlässige Erde
Ein schlechter Boden oder eine schlechte Erde verhindert ein gutes Wachstum der Chilipflanzen. Die Erde sollte locker, durchlässig, leicht feucht und nährstoffreich sein. Die Erde sollte sich nicht zu schnell verdichten, damit die Wurzeln genug Sauerstoff bekommen, zu viel gegossenes Wasser leicht abfließen und keine Staunässe entstehen kann. Der pH-Wert der Erde ist im Bereich von leicht sauer (größer ph5,5) bis in den neutralen Bereich (kleiner ph7,5) gut für Chilipflanzen. Nur in diesem Bereich werden die im Substrat enthaltenen Nährstoffe durch die Wurzeln optimal aufgenommen. Zuschlagsstoffe wie Perlite oder Vermiculite (etwa 20 bis 25%) in der Erde sorgen dafür, dass diese locker und durchlässig bleibt, aber gleichzeitig genug Wasser speichert. So trocknen die Pflanzen im Sommer nicht so schnell aus, und bei Regenwetter bildet sich nicht gleich Staunässe.

Richtiges Gießen
Chilipflanzen vertragen kurzzeitige Trockenheit. Am besten gedeihen die Chilipflanzen aber, wenn sie regelmäßig gegossen werden. Gut ist eine durchgehend leicht feuchte Erde. Zu viel gießen sollte vermieden werden, denn Chilipflanzen mögen keine Staunässe. Wie oben beschrieben, können Zuschlagsstoffe wie Perlite oder Vermiculite in der Erde dabei helfen, Staunässe zu vermeiden.

Regelmäßiges Düngen
Chilipflanzen benötigen ein ausreichend gedüngtes Substrat, um gut zu wachsen und Blüten und Früchte zu bilden. Daher sollten Chilipflanzen regelmäßig gedüngt werden.

Wann man am besten mit der Düngung von Chilipflanzen beginnt, hängt davon ab welches Substrat man verwendet hat und wann und wie oft man umtopft. Bei Blumen-, Pflanz- oder Tomatenerde reicht die Vordüngung für mehrere Wochen aus. Anzuchterde ist nur wenig vorgedüngt, Kokoserde eventuell gar nicht. Bei Chilipflanzen, die neu in Blumenerde eingetopft sind, braucht man in der Regel erst nach etwa 4 Wochen mit der Düngung anzufangen, bei Anzuchterde früher. Kokos muss oft von Anfang an gedüngt werden. Wenn man alle paar Wochen in einen größeren Topf mit Blumen-, Pflanz- oder Tomatenerde umtopft, bekommt die Pflanze jedes Mal frische Erde hinzu und man braucht in der Regel etwa 3 bis 4 Wochen lang überhaupt nicht zu düngen.

Zur Düngung geeignet sind prinzipiell alle organischen NPK-Flüssigdünger für Tomaten aber auch mineralische Nährsalze wie z.B. Hakaphos. Bei Verwendung eines Flüssigdüngers für Tomaten einmal in der Woche beginnt man am besten mit einer Viertel-Dosis des Düngers (siehe dazu die Herstellerempfehlung), steigert danach die Dosis auf die halbe und später auf die volle Dosierung. Von Hakaphos-Nährsalzen sollte man anfangs höchstens 0,5g pro Liter ins Gießwasser geben. Bei größeren Chilipflanzen kann bis etwa 2g pro Liter Gießwasser dosieren. Größere Rocotos vertragen auch 2,5g pro Liter.

Calcium ist wichtig
Zur Vermeidung einer Blütenendfäule sollten Chilipflanzen auch mit Calcium versorgt werden. Calcium ist im Gegensatz zu Magnesium in vielen Düngern nicht vorhanden. Wird nur mit Regenwasser oder einem Leitungswasser mit geringer Wasserhärte gegossen, kann es sein dass die Calciumversorgung der Chilipflanzen nicht ausreicht. Damit bei Chilisorten mit großen oder besonders langen Früchten keine Blütenendfäule auftritt, sollte zusätzlich mit einem Calciumdünger gedüngt werden.

Ausreichend Licht
Mit nur wenigen Stunden Licht fühlen sich Chilipflanzen nicht richtig wohl. Die Lichtdauer sollte etwa 12 bis 14 Stunden betragen. Dazu ist ein sonniger Fensterplatz nötig, damit die Pflanzen gut wachsen oder eine geeignete Pflanzenbeleuchtung, z.B. eine leistungsfähige LED-Pflanzenbeleuchtung mit mindestens etwa 100W Leistung pro Quadratmeter Anbaufläche.

Ausreichend großer Platz für die Wurzeln
Chilipflanzen benötigen einen ausreichend großen Wurzelraum. Stoßen die Wurzeln an ihre Grenzen, hört auch das oberirdische Wachstum auf. Abhilfe schafft ein ausreichend großer Blumentopf oder mehrmaliges Umtopfen während der Anzucht der Chilipflanzen. Eine Chilipflanze sollte nach der Wachstumsphase mindestens einen Topf mit 10 Liter Volumen haben. Ausnahmen sind klein bleibende Sorten. Für klein wachsende Sorten und Zierchilis reichen meistens auch Töpfe mit 5 Litern. Empfohlene Topfgrößen können der Anleitung Topfgröße für Chilis entnommen werden.

Bei Jungpflanzen Sonnenbrand vermeiden
Bei einem Sonnenbrand bekommen die vorher grünen Blätter einer Chilipflanze mehr oder weniger stark ausgeprägte hellbraune, silbrige Verfärbungen. Sonnenbrand hinterlässt irreparable Schäden an den Blättern. Stark durch Sonnenbrand beschädigte Blätter werden von der Pflanze abgeworfen. Sonnenbrand kann Jungpflanzen stark im Wachstum behindern. Chilipflanzen haben drinnen während der Anzucht keine Möglichkeit einen wirksamen Schutz gegen die UV-Strahlung des Sonnenlichts aufzubauen. Das Fensterglas der heutigen Doppel- oder Dreifachverglasungen lässt nur einen kleinen Teil der UV-Strahlung durch. Daher ist eine Eingewöhnung notwendig bevor die Pflanzen dauerhaft ins Freie kommen, um späteren Sonnenbrand an den Blättern zu vermeiden.

Besser als eine Eingewöhnung in der direkten Sonne ist eine Eingewöhnung im Schatten oder Halbschatten oder an warmen aber bewölkten Tagen. An Sonnentagen gibt es auch im Schatten noch genügend UV-Strahlung, die man zur Eingewöhnung nutzen kann. In direkter Sonne sollten die Pflanzen zuerst nur etwa höchstens eine halbe Stunde stehen. Der Vorteil einer Gewöhnung im Schatten oder an bewölkten Tagen ist, dass man gleich zu Anfang die Pflanzen ein paar Stunden heraus ins Freie stellen kann. Die Eingewöhnung funktioniert auch an einem Sonnenstandort, an dem man mit einem Schattiernetz oder einem Gartenvlies einen Teil des Sonnenlichts abschattet. Die Zeit, in der die Pflanzen draußen stehen, steigert man langsam weiter. Man sollte die Pflanzen während der Eingewöhnungsphase regelmäßig beobachten und bei Anzeichen für einen Sonnenbrand immer direkt aus der Sonne nehmen.

Krankheiten und Schädlinge bekämpfen
Krankheiten und Schädlinge können Pflanzen im Wachstum bremsen und zurückwerfen. Krankheiten können durch Pilze, Viren oder Bakterien hervorgerufen werden. Chilipflanzen werden gelegentlich von Blattläusen, Thripsen, Spinnmilben, Weichhautmilben, Zikaden, Blattwanzen oder Trauermücken befallen. Auch Schnecken können eine Plage sein und ganze Chilipflanzen kahl fressen. Entdeckt man Krankheiten oder einen Schädlingsbefall, sucht man am besten nach der Ursache und bekämpft diese möglichst zeitnah.

Das Wachstum fördern
Chilipflanzen gedeihen am besten, wenn man die Standortbedingungen so gestaltet, dass sie sich wie in ihrer Heimat in Mittel- und Südamerika fühlen. Um die Entwicklung optimal zu fördern und zu beschleunigen, sollte man auf diese Punkte besonders achten:
  • ausreichend Licht
  • 12 bis 14 Stunden Licht
  • warm halten (außer Keimlinge)
  • durchlässige Erde
  • ausreichend Nährstoffe und Spurenelemente
  • ausreichend Calcium
  • Schädlinge bekämpfen
  • Krankheiten behandeln
  • Nützlinge fördern
  • Bodenverbesserer wie Perlite oder Vermiculite einsetzen
  • für genügend Platz für die Wurzeln sorgen
  • Sonnenbrand vermeiden

IMG_3345.JPG

Bild: Chili- und Paprikapflanzen im Gewächshaus

- Anleitungen Allgemein
- Chili-FAQ
- Abkürzungen und Begriffe
 
Viparspectra Dünger für Chilipflanzen
(Werbung, Affiliate-Links)
Zurück
Oben Unten