Vermehrung über Stecklinge

Chili- und Paprikapflanzen lassen sich durch Stecklinge vermehren. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit denen ich mehr oder weniger Erfolg hatte. In dieser Anleitung stelle ich die Methode vor, mit der ich bisher eine hohe Erfolgsquote hatte. Abgewandelt funktioniert es in dieser Art auch mit Steinwollewürfeln oder Eazy Plugs. Stecklinge sind gut dazu geeignet um Chilipflanzen platzsparend über den Winter zu bringen. Wenn man von einer Chilisorte kein Saatgut gewinnen konnte oder wenn es sich um einen Hybriden handelt, der sich nicht weiter zu einer neuen Chilisorte stabilisieren lässt, bietet sich eine Stecklingsvermehrung ebenso an.
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Die Vermehrung über Stecklinge ist eine einfache und effiziente Lösung, um die Chilipflanzen zu klonen. Dabei entstehen exakte Kopien der Pflanze mit dem Erbgut der Mutterpflanze. In den meisten Fällen ist der beste Zeitpunkt für die Vermehrung von Chilipflanzen durch Stecklinge im frühen Sommer. Bis hierhin hat sich die Mutterpflanze bereits gut entwickelt. Gleichzeitig haben die Stecklingen noch für den Rest des Sommers Zeit zum Wachsen. Werden die Stecklinge geschnitten, um die Chilipflanzen auf diese Weise platzsparend zu überwintern, sollten die Stecklinge rechtzeitig geschnitten werden, bevor es draußen nass und kalt wird, damit die Stecklingsvermehrung noch gut funktioniert.

Benötigt wird ein Kokostabs für jeden Steckling, ein Pikierstab oder Schaschlikspieß, eine Schere, ein scharfes Messer oder besser eine Rasierklinge, eine kleine Schale mit lauwarmem Wasser zum Einweichen des Kokostabs, ein Minigewächshaus und natürlich eine Chilipflanze, von der ein Steckling geschnitten werden kann. Die Schneidewerkzeuge sollten unbedingt vorher desinfiziert werden um das Risiko für die Ansteckung der Stecklinge mit Pflanzenkrankheiten zu verringern.

Am besten trifft man zuerst alle Vorbereitungen bevor der Chili-Steckling geschnitten wird. Die Zeit bis zum Einsetzen in den feuchten Kokostab muss so kurz wie möglich sein, damit die Schnittkante nicht oxidiert. Zuerst muss daher der Kokostab eingeweicht werden. Die verwendeten Schnittwerkzeuge werden desinfiziert.

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Bild 1: Einweichen eines Kokostabs

Mit dem Pikierstab (oder einem Schaschlikspieß) wird nun das Loch für den Steckling vorbereitet. Es darf ruhig einen etwas größeren Durchmesser als der Steckling haben. Das Kokos muss sowieso am Steckling nach dem Einsetzen angedrückt werden. Das Gewebe um den Kokostab bleibt dran.

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Bild 2: Vorbereiten des Kokostabs

Als nächstes wird der Steckling ausgesucht und mit der Schere abgeschnitten. Dabei sollte beachtet werden, dass die Mutterpflanze möglichst frei von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten ist, da diese sonst auf den Steckling übertragen werden können.

In diesem Fall ist es die Spitze des rechten Astes im Bild, die oberhalb des fünften Blattknotens (gezählt von der Spitze) abgeschnitten wird. Der Steckling hat also vier Blattknoten. Mehr als fünf Blattpaare sollte der Stecklinge nicht unbedingt haben, denn je größer der Steckling ist, desto schwieriger ist die Versorgung, da ja anfangs keine Wurzeln vorhanden sind. Der Steckling darf auch nicht zu groß für das Minigewächshaus werden. Ein oder zwei Blattknoten müssen aber mindestens vorhanden sein, da sich an diesen Stellen später neue Triebe bilden und so ein neues Astwerk entsteht. Der Stiel sollte auch noch grün, also nicht verholzt sein.

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Bild 3: Chilipflanze von der Stecklinge geschnitten werden

Blüten und evtl. beschädigte Blätter entfernt man vom frisch geschnittenen Steckling. Beschädigte Blätter werden deshalb entfernt, da sie ein Einfallstor für Pflanzenkrankheiten sein können. Die Blüten entfernt man, da sie nicht benötigt werden. Der Steckling soll seine Energie in die Wurzelbildung stecken anstatt in eine eventuelle Fruchtbildung.

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Bild 4: Vorbereiten des Stecklings

Da nun mittlerweile die Schnittkante wahrscheinlich angefangen hat zu oxidieren und der Druck der Schere wahrscheinlich einen Teil der Leiterbahnen im Stiel zugedrückt hat, schneidet man nochmal mit einem sehr scharfen Messer oder einer Rasierklinge sauber ein kleines Stück des Stiels ab. Dabei sollte man aufpassen, dass der Stiel noch lang genug für das Einsetzen in den Kokostab ist und noch ein oder zwei Blattknoten ohne Blätter vorhanden sind. Eine saubere Schnittkante ohne zugedrückte Leiterbahnen erleichtert die Wasseraufnahme des Chili-Stecklings durch den Stiel.

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Bild 5: Schneiden einer sauberen Schnittkante am Stiel

Den Chili-Steckling setzt man sofort in den eingeweichten und vorbereiteten Kokostab ein und drückt den Kokos am Stiel an. Gut dafür eignet sich ein Pikierstab.

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Bild 6: Einsetzen des Stecklings

Der Steckling hat nun nur noch ein kurzes Stück Stiel und die Blätter für die Wasserversorgung. Daher darf er die nächsten Wochen nicht austrocknen. Die Temperatur darf weder zu hoch, noch zu niedrig sein. Die Verdunstung über die Blätter muss verhältnismäßig gering bleiben.

Unterhalb der normalen Zimmertemperatur dauert es lange bis sich erste Wurzeln bilden. Wenn es zu kühl ist, gibt es öfters sogar überhaupt keine Wurzelbildung. Gute Erfahrungen wurden mit Temperaturen von um die 25°C gemacht. Zur Verhinderung der Austrocknung und zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit kommt ein aus mehreren Lagen Küchenrolle gefaltetes feuchtes Kissen unten ins Minigewächshaus. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit wird der Steckling auch über die Blätter mit Wasser versorgt. Die Luftfeuchtigkeit sollte auf diesem Weg auf 70% oder höher gehalten werden. Das Minigewächshaus wird mit dem zugehörigen durchsichtigen Deckel verschlossen.

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Bild 7: Unterbringung des Stecklings im Minigewächshaus

Das Minigewächshaus sollte ab jetzt so hell wie möglich stehen, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung, damit es sich nicht zu stark aufheizt. In meinem Chilihaus unter der LED-Beleuchtung sind diese Bedingungen erfüllt. Ein Standort an einem hellen Fenster würde auch funktionieren, aber an meinem Südfenster ist die Sonneneinstrahlung zu stark. Es müssen Bedingungen vermieden werden, bei denen der Steckling zu viel Wasser über die Blätter verdunstet, denn die Wasseraufnahme über den Stiel ist begrenzt.

Es dauert nun oft vier bis sechs Wochen, bis die Stecklinge erste Wurzeln gebildet haben. Bis dahin sollten die Stecklinge immer ausreichend feucht und die Luftfeuchtigkeit im Minigewächshaus hoch gehalten werden.

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Bild 8: Standort mit hellem Licht aber keiner direkten Sonneneinstrahlung

Wenn erste Wurzeln zu sehen sind, also unten aus dem Kokostab wachsen, kann man den Steckling in einen Topf mit Anzuchterde Blumenerde oder Pflanzerde setzen. Vor dem Eintopfen sollte das Gewebe vom Kokostab aus folgendem Grund entfernt werden:

Chilipflanzen haben anfangs zu feine Wurzeln, die nicht immer ungehindert durch das Gewebe rund um den Quelltab herauswachsen können. Es dauert oft recht lange, bis sich das Netz um den Tab aufgelöst hat. Die glatte Seite des Quelltabs kann für das Gießwasser wie eine Art Barriere zur Erde wirken. Das Wasser läuft dann beim Gießen außen am Gewebe des Tabs vorbei. Die Erde ist nach dem Gießen feucht, der Wurzelballen bleibt aber eventuell trotzdem relativ trocken. Ohne das Gewebe passiert das nicht mehr.

Die Methode mit der Stecklingsvermehrung funktioniert anstatt mit Kokostabs oder Eazy Plugs auch gut mit Chili-Stecklingen, die in Steinwolle eigesetzt und in ein Minigewächshaus gestellt werden. Die Verwendung von Steinwollewürfeln bei der Stecklingsvermehrung bietet den Vorteil, dass das Risiko einer Schimmelbildung deutlich geringer wird. Nachteil ist der Energieaufwand bei der Herstellung der Steinwolle, was sie nicht besonders umweltfreundlich macht.

Die beiden Stecklinge auf dem folgenden Foto hatten durchgehend Temperaturen zwischen 22 und 25°C und eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit. Sie brauchten unter diesen Bedingungen etwa 6 Wochen bis sie Wurzeln gebildet hatten. Sie blieben noch ein paar Tage länger stehen, bis die Wurzeln schon aus der Steinwolle heraus wuchsen.

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Bild 9: Bewurzelte Chili-Stecklinge in Steinwolle

Die Stecklinge haben nun genügend Wurzeln gebildet, dass sie problemlos anwachsen können. Sie werden in Blumenerde eingetopft. Dabei kann die Steinwolle einfach dran gelassen werden. Da die frische Blumenerde Nährstoffe für ein paar Wochen mitbringt, wird erst frühestens in 4 bis 6 Wochen mit der Düngung angefangen.

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Bild 10: In Blumenerde eingetopfte Chili-Stecklinge

Bei der Stecklingsvermehrung von Chilipflanzen können folgenden Probleme auftreten:
  • Pflanzenkrankheiten: Es kann zu einer Übertragung von Krankheiten auf die Stecklinge kommen, wenn das Schneidewerkzeug nicht desinfiziert wird.
  • Pflanzenkrankheiten: Eine Übertragung von Krankheiten auf die Stecklinge ist wahrscheinlich, wenn die Mutterplanze bereits infiziert ist.
  • Schädlinge: Wenn bereits die Mutterpflanze mit Schädlingen befallen ist, können diese auch die Stecklinge befallen, z.B. über Eier.
  • Bewurzelung: Die Stecklinge können sich schlecht bewurzeln, wenn sie zu lange gelagert werden oder nicht rechtzeitig nach dem Schneiden gesteckt werden.
  • Pilzbefall: Zu hohe Luftfeuchtigkeit kann zu Pilzbefall der Stecklinge führen, da die Schnittstellen eine günstige Eintrittspforte für Schaderreger darstellen.
  • Pilzbefall: Zu hohe Luftfeuchtigkeit kann zu Pilzbefall des Substrats führen, wenn es aus organischem Material besteht.
  • Falscher Zeitpunkt: Die Stecklingsvermehrung ist besonders erfolgreich im Frühjahr oder Sommer, nicht aber im Herbst oder Winter.
  • Falsche Technik: Die Verwendung von unzureichend desinfizierten Werkzeugen kann zu Pilzproblemen führen.
  • Falsche Technik: Wenn zu wenige Blattknoten am Teil des Stiels sind, der im Kokostab, Eazy Plug oder Steinwollewürfel steckt, bilden sich evtl. keine Wurzeln.
  • Ungünstige Temperatur: Wenn es zu warm ist, verdunstet der Steckling zu viel Wasser über die Blätter. Das kann er ohne Wurzeln kaum ausgleichen.
  • Starke direkte Sonneneinstrahlung: Das führt zu ähnlichen Problemen wie eine zu hohe Temperatur.

 
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